Stille

Alleine gehe ich durch den Park und es ist still.

In einer Gedenkminute ist es still.

Während einer Prüfung ist es um mich herum still.

Im Theater sind die Zuschauer still.

Nachts ist es still.

Egal wohin man schaut, überall findet man Stille.

Aber es ist nur die äußere Stille.

Sobald es um mich herum ruhig wird melden sich meine Gedanken.

Sofort ist es nicht mehr still.

Niemand um mich herum nimmt diesen Lärm wahr,

niemand ahnt, dass mich die äußere Stille quält,

niemand versteht, warum ich äußere Stille meide,

niemand möchte verstehen…

Jeder Versuch gegen den inneren Lärm scheitert.

Manchmal kann ich ihn für einen kurzen Augenblick beherrschen,

seine Lautstärke ein bisschen herunter regeln,

doch es hält nicht lange an.

Wenn ich alleine durch den Park gehe versuche ich zu singen, ganz leise, so dass es niemand hören kann.

Während der Gedenkminute versuche ich meine Gedanken zu bezwingen, sie wegzuschieben, schließlich ist eine Minute ja nicht lange, oder doch?

Während einer Prüfung versuche ich mich auf das Thema zu konzentrieren, verliere jedoch oft diesen Kampf und niemand hört die Schreie.

Im Theater spreche ich leise den Text der Schauspieler nach, niemand hört es.

Nachts zögere ich das Zubettgehen möglichst lange hinaus, in der Hoffnung übermüdet zu werden. Dann schalte ich meinen MP3-Player an und beschalle mich mit Ablenkung, doch das hält auch nicht lange an.

Nachts liege ich oft wach und die äußere Stille droht mir,

droht mich zu erdrücken,

während der innere Lärm mich quält,

mich zwingt nachzudenken, mir den Schlaf raubt.

 

Gibt es wahre Stille, außer der endgültigen?

 

Geschützt: Lebenszeichen

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anzuschauen, gib dein Passwort bitte unten ein:

(Un-)Auffällige Kratzer

Seit einiger Zeit arbeite ich im Krankenhaus. Grundsätzlich macht es Spaß, zwar weiß ich bereits, dass ich garantiert keine Ausbildung zur Krankenschwester machen werde, aber ich lerne weiterhin jeden Tag etwas Neues.

Als Praktikant ist man, nun ja, ich nenn es mal vorsichtig „Mädchen für alles“. Das stört mich nicht, da ich so möglichst viel erleben und lernen kann, aber als Mobbing hinzukommt (zumindest würde man es heute Mobbing nennen) fühle ich mich nicht mehr wohl.

In Absprache mit der Pflegedienstleitung werde ich auf eine andere Station versetzt. Hier fühle ich mich leider noch unwohler. Ich bin auf der Privatstation gelandet und die Stationsschwester zeigt mir sehr deutlich, dass sie alles und ich nichts bin. Arbeiten darf ich zwar, vor allem die Sachen, die die Schwestern nur ungerne machen, aber sobald sie eine Chance sieht mich zu mobben, dann macht sie das.

Mir werden Vorwürfe gemacht, dass ich zu viel Zeit für die Patienten aufwenden würde, ich müsse schneller arbeiten.

(Zum Beispiel soll ich einer älteren Dame, die ihre Arme nicht mehr bewegen kann, das Essen zwar in Häppchen schneiden, aber nicht anreichen. Die Stationsschwester meint, wenn die Patientin nicht selber essen könne, dann sollen gefälligst Angehörige zu den Mahlzeiten kommen. Natürlich dauerte das Anreichen länger als das Schneiden der Mahlzeit.)

Wenn ich versuche einen Dienst mit einer Schülerin oder einer anderen Praktikantin zu tauschen, dann genehmigt die Stationsschwester dies nicht. Ihr ist dabei egal, dass ich zu einem Vorstellungsgespräch muss…

So verbringe ich also viel Zeit in erniedrigender Umgebung und quäle mich jeden Tag aufs Neue dort hin.

Irgendwann wache ich morgens mit stärksten Bauchschmerzen auf und werde ins Krankenhaus gebracht (nicht in das Haus, in dem ich arbeite).

Dort untersucht man mich ausführlich und entlässt mich einige Tage später mit dem Verdacht auf eine Stoffwechselerkrankung.

Als ich wieder arbeiten gehe fällt die Stationsschwester über mich her. Sie schreit mich vor den anderen Schwestern und Ärzten an, dass ich eine elenden Simulantin sei. Sie würde sich mit der Stoffwechselkrankheit auskennen, die ich angeblich haben könnte und sie befand, dass ich sie garantiert nicht haben würde.

Niemand steht mir bei, alle schauen verschämt weg, versuchen zu wirken, als würden sie von alle dem nichts mitbekommen.

Nachdem das Geschrei nachgelassen hat verlasse ich das Schwesternzimmer um weiter meiner Arbeit nachzugehen.

Ich quäle mich mit Tränen in den Augen durch die Schicht und gehe anschließend direkt nach Hause.

Dort setze ich mich auf mein Bett und weine. Rinnsale von Tränen laufen mir durchs Gesicht.

Irgendwann, als ich keine Tränen mehr spüre, beginne ich mit meinen Fingernägeln über meinen Unterarm zu kratzen. Die Haut rötet sich, aber sonst passiert nichts. Vor allem ändert sich nichts an meiner emotionalen Situation.

Also nehme ich eine Nagelbürste und kratze mit diesem Hilfsmittel weiter. Ich kratze so lange über die Haut, bis ein tiefer Krater (ca 5×10 cm) entsteht und es blutet.

Die Wunde brennt ein bisschen, aber wirklich schmerzhaft ist es nicht.

Notdürftig versorge ich die Wunde und lege mich schlafen.

Am nächsten Tag ist meine „Lieblingsschwester“ (<- das meine ich ernst) in meiner Schicht und nimmt mich mit zu ihren Patienten. Das erste Mal seit Wochen habe ich wieder Spaß bei der Arbeit.

In der Pause fragt sie mich, was denn mit meinem Arm passiert sei. Ich erkläre ihr, dass ich mich beim Kistenschleppen an einer rauhen Wand geratscht habe. Sie zieht das große Pflaster ab, säubert die Wunde und klebt ein neues Pflaster auf die Stelle.

Sie verliert kein Wort über die Art der Wunde, die Tiefe, die Kratzspuren. Ich glaube, sie weiß was passiert ist oder zumindest, dass meine Geschichte nicht stimmt, aber sie sagt nichts zu mir und auch sonst zu niemandem.

Umstellung des ärztlichen Notdienstes

Seit ein paar Wochen gibt es hier nur noch eine einzige Rufnummer für den ärztlichen Notdienst.

Ok, eine einheitliche Nummer gab es schon lange, aber bisher liefen die Anrufe relativ regional auf.

Nun gibt es eine Zentrale für alle…

Für mich gibt es nun zwei Sichtweisen zu diesem Thema.

Zum Einen als Patient und zum Anderen natürlich als Rettungsdienst.

Beides beschreibe ich mal mit ausgedachten Situationen.

Beginne ich mal aus der Sicht des Patienten:

Ich wache morgens auf, mir ist total übel. Ich versuche aufzustehen, auf die Toilette zu gehen, aber es klappt nicht. Ich bin zu schlapp. Niemand ist hier, der mir helfen könnte.

Ich drehe mich nochmal um und versuche wieder einzuschlafen. Dies klappt jedoch auch nicht.

Zum Glück steht neben meinem Bett noch mein Mülleimer, in den ich mich spontan übergebe. Natürlich geht es mir danach nicht besser.

Nun gibt es vier Möglichkeiten…

a)

Ich versuche die Beschwerden zu ignorieren und verbringe den Tag im Bett ohne fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen…

Lasst mich kurz überlegen… nein … also vielleicht doch Version

b)

Ich rufe meinen Nachbarn an und bitte ihn mich zur Notfallpraxis zu fahren. Zum Glück hat er einen Ersatzschlüssel meiner Wohnung, sonst müsste er ja die Tür aufbrechen.

Und zum Glück habe ich zufällig vor ein paar Tagen beim Einkaufen gesehen wo die nächste Notfallpraxis ist.

Und, vor lauter Glück müsste ich spontan gesunden, zum Glück treffen wir zufällig zur Sprechzeit ein. Schließlich hat die Praxis nur wenige Stunden am Tag geöffnet, daher ist das vielleicht sogar das größte Glück.

Nun sitze ich, nein ich hänge eher, im Wartezimmer, das vollig überfüllt ist. Nach etwa zwei Stunden werde ich endlich in ein Behandlungszimmer gebracht. Dort werde ich schnell untersucht, bekomme ein Rezept für Medikamente.

Anschließend kann mein Nachbar mich zur Apotheke und nach Hause bringen.

Lasst mich nochmal kurz überlegen… nein … doch besser die Version

c)

Ich rufe die Nummer des ärztlichen Notdienstes … 0180-irgendwas…

Die Prepaidkarte meines Handys ist zum Glück frisch aufgeladen, denn ich hänge bestimmt 25min in der Warteschleife.

Nach der langen Wartezeit höre ich nun endlich jemanden am anderen Ende der Leitung.

Mir wird mitgeteilt, dass es lange dauern kann bis der Arzt zu mir kommt. Eventuell sogar mehrere Stunden…

Ich teile meine Adresse mit und erkläre, dass mein Nachbar einen Schlüssel für meine Wohnungtür vorhält.

Nun warte ich tapfer bis der Arzt nach gefühlten 6 Stunden bei mir eintrifft.

Nach einer kurzen Untersuchung stellt mir der Arzt ein Rezept für Medikamente aus, die mein Nachbar netterweise für mich holt.

Bevor er sich auf den Weg zur Apotheke macht sehe ich auf dem Stempel des Arztes, dass er aus dem über 40km entfernten Ort XY kommt (dieser Ort liegt nicht mal in meinem Landkreis).

Warum ist denn nicht der Arzt aus dem nur 10km entfernten Ort gekommen, schließlich ist dort die nächste Notfallpraxis…

Naja, besser nicht drüber nachdenken … also lasst mich nicht nochmal kurz überlegen… vielleicht doch besser Version

d)

Nachdem ich über 20min in der Warteschleife des ärztlichen Notdienstes gewartet habe, habe ich die Schnauze voll. Ohne auf eine Antwort zu warten beende ich das Gespräch (naja, gesprochen habe ich ja eh noch mit niemandem) und wähle die 112.

Dem netten Herren am Notruf erkläre ich, dass es mir schlecht geht. Ich schildere ihm genau was passiert ist und er verspricht mir sofort ein Fahrzeug zu schicken.

Zur gleichen Zeit im Rettungsdienst:

Gerade diskutiere ich mit dem Kollegen über das neue Modell des ärztlichen Notdienstes.

Bis vor kurzem konnten wir hinter einigen Ärzten her fahren, da diese im ärztlichen Notdienst eine Einweisung nach der anderen geschrieben haben.

*piep* *piep*

RTW_intern

Hauptstraße 4711

bei XY

Wir rücken einsatzmäßig aus und werden an der beschrieben Adresse bereits von einem netten Nachbarn erwartet. Er öffnet uns die Wohnungtür des Patienten und zeigt uns den Weg ins Schlafzimmer.

Der Patient erklärt uns welche Beschwerden ihn quälen und fügt hinzu, dass ja eigentlich der ärztliche Notdienst kommen sollte, aber nach der langen Wartezeit wurde der Notruf bevorzugt.

Früher hätten wir bei einem solchen Patienten mal beim ärztlichen Notdienst angerufen und diesen zu unserem Patienten geschickt.

Nun gibt es aber ja die neue Rufnummer des ärztlichen Notdienstes und hier hängen auch wir Ewigkeiten in der Warteschleife fest.

Also packen wir den Patienten lieber ein und fahren ins nächste Krankenhaus.

Nennt man es Ironie, dass direkt nebenan die nächstgelegene Notfallpraxis heimisch ist???

Bestimmt läuft dies nicht immer so, aber man merkt schon eine deutliche Veränderung der Einsätze seitdem es die neue Nummer gibt (zumindest kommt es mir bei uns so vor).

Entschuldigt bitte, dass ich den virtuellen Brechbeutel deutlich gefüllt habe. 😉

Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt…

Wieder so ein Gammeldienst auf der Dornröschenwache…

Den ganzen Morgen ist nichts los.

Die Rettungswache ist sauber und aufgeräumt, der RTW blitzt wie frisch poliert und im TV läuft auch nichts Vernünftiges.

So entschließen wir ein kleines Nickerchen auf dem Sofa zu machen.

Wie lange wir schlummern können weiß ich nicht, aber wir werden durch die Schelle der Rettungswache unsanft geweckt.

„Erwartest Du Besuch?“

Mein Kollege schüttelt den Kopf und während er an die Gegensprechanlage geht knie ich mich so auf das Sofa, dass ich aus dem Fenster schauen kann.

Sch***! Da liegt ja einer auf der Straße…

Ich springe vom Sofa und erkläre meinem Kollegen wild gestikulierend, dass wir wohl mal auf die Straße laufen sollten.

Mein Kollege wusste schon von demjenigen, der geschellt hatte, dass irgendetwas draußen nicht in Ordnung ist.

Auf dem Weg durchs Treppenhaus besprechen wir, dass ich ohne Material rüberlaufe und er die Koffer hinter herbringt (der am Boden liegende Mann lag auf der gegenüberliegenden Straßenseite).

Als ich aber am Patienten eintreffe erkenne ich sofort, dass wir doch etwas mehr Material benötigen und vor allem, dass ein Notarzt notwendig ist.

Ich rufe meinem Kollegen also zu, dass er direkt den RTW mitbringen soll und einen Notarzt anfordern soll.

Zusammen mit einem Ersthelfer beginne ich die Reanimation. Mein Kollege bereitet alles um uns herum vor.

Gerade als mein Kollege mir mitteilt, dass die Intubation vorbereitet ist und ich mich in Position bringe, um dem Patienten tief in den Hals schauen zu können, höre ich jemanden hinter mir rufen.

„Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt. Ich intubiere!“

Hat der das jetzt gerade wirklich gesagt???

(Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Spruch jemals in der Realität hören würde!)

Ich schaue kurz hoch um zu sehen wer denn dort so einen Lärm macht. Da ich den angeblichen Arzt nicht kenne werde ich ihn garantiert nicht meinen Patienten intubieren lassen. Daher bringe ich mich erneut in Position um zu intubieren, nehme mir das Laryngoskop und schiebe den Spatel in den Mund des Patienten. Wenige Augenblicke später kann ich wunderbar die Stimmritze sehen und bitte meinen Kollegen um den Tubus.

„Nix da! Das dürfen Sie nicht!“

Der fragliche Akademiker meckert darüber, dass ich ihn nicht an den Kopf des Patienten gelassen habe und zieht meinem Kollegen den Tubus aus der Hand.

Da ich ja noch die Stimmritze beobachte sehe ich dies natürlich nicht und höre nur das Gezeter meines Kollegen. Der unbekannte Doktor versucht eine Diskussion zu starten. Zum Glück ignoriert mein Kollege ihn einfach, öffnet einen neuen Tubus und gibt ihn mir. Auch diesmal versucht der wild schimpfende Mann den Schlauch zu ergreifen, aber ich bin schneller. Der Tubus sitzt. Mit meinen Fingern fixiere ich ihn so fest ich kann, damit ihn niemand aus der Luftröhre des Patienten zieht.

Während ich den korrekten Sitz des Tubus kontrolliere fixiert mein Kollege ihn mit einem Tubusband und zusätzlich mit reichlich Plasterstreifen.

Wir lehnen beide so gut um den Patienten herum, dass es dem ungebetenen Arzt nicht gelingt irgendetwas an dem reanimationspflichtigen Mann zu manipulieren.

Als der richtige Sitz des Tubus geprüft ist zische ich barsch

„Wer sind Sie? Ich kenne Sie nicht! Jeder kann behaupten, dass er Arzt ist!“

Noch bevor der aufgebrachte Mann antworten kann trifft unser Notarzt ein.

Ich übergebe ihm den Patienten, während der unbekannte Doktor weiterhin versucht an den Patienten zu kommen.

Auch die Aufforderung des Notarztes, dass er die Finger von unserem Patienten nehmen möchte (auch er kennt diesen Arzt nicht), bringt nichts.

So sehen wir uns gezwungen die Polizei zur Hilfe zu holen.

Natürlich versorgen wir weiterhin den Patienten, klären ein Zielkrankenhaus und bereiten alles für den Transport vor.

Umlagern können wir den immer noch reanimationspflichtigen Patienten jedoch noch nicht, da wir keine Gewalt gegen den fraglichen Arzt anwenden dürfen.

Wenige Minuten später eilt uns die Polizei zur Hilfe und fixiert den penetranten Mann an ihrem Fahrzeug.

Endlich können wir den Patienten auf die Trage heben und unter laufender Reanimation ins Krankenhaus fahren.

Einige Wochen später erfahre ich, dass unser Patient das Ganze gut überstanden hat und alleine aus dem Krankenhaus gehen konnte.

Bis heute haben wir jedoch nicht erfahren wer dieser ominöse Arzt war, der uns nicht unsere Arbeit machen lassen wollte.

 

____

Um Fragen vorzubeugen:

Da ich die Verantwortung für den Patienten übernehme bis ein Notarzt eintrifft oder der Patient im Krankenhaus übergeben ist (falls kein Notarzt erforderlich) überlasse ich niemandem, den ich nicht kenne, irgendwelche Maßnahmen am Patienten. Kenne ich den Arzt nehme ich gerne seine Hilfe in Anspruch.

Schließlich kann ich nicht im Einsatz, also an der Einsatzstelle, prüfen, ob derjenige wirklich Arzt ist.

 

 

Geschützt: (Alb-)Träume Crashcar

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anzuschauen, gib dein Passwort bitte unten ein:

Oma krank

Heute hat es mich erwischt, ich besetze das ungeliebte Mehrzweckfahrzeug.

Mit diesem MZF besetzen wir über Tag, wie üblich, eine kleine Klitschenwache ein paar Kilometer von der Hauptwache entfernt.

Über den Tag verteilt haben wir ein paar Krankentransporte und einen Notfalleinsatz. Alles nichts wirklich Schlimmes, aber so geht die Zeit wenigstens um.

Gegen Abend wechselt man mit dem MZF immer auf die Hauptwache, um dort als KTW weiter zu fahren.

In etwa einer halben Stunden dürfen wir uns auf den Weg zur Hauptwache machen und beginnen die Miniwache wieder in Schuß zu bringen.

Gerade als ich heißes Wasser in das Spülbecken gelassen habe, um das Geschirr abzuspülen, piept der Funkmeldeempfänger.

*piiiiiiiep* *piiiiiiiep* *piiiiiiiep*

Der Piepton verrät uns, dass es sich um einen Krankentransport handelt.

Während ich weiter abspüle klärt mein Kollege mit der Leitstelle, dass wir ein paar Minuten zum Ausrücken brauchen, da wir ja nach dem Einsatz zurück zur Hauptwache fahren können, wenn alles schüssig ist und wir nicht extra wieder zur Miniwache fahren wollen.

Der Disponent ist damit einverstanden und erklärt, dass es sich wohl um eine erkrankte Frau handeln soll.

„Oma ist krank haben sie gesagt. Das ist wohl nix Wildes. Lasst Euch Zeit. Gartenstr. 88 bei XY

Obwohl wir einen Freifahrtschein zum Trödeln bekommen haben beeilen wir uns.

Die Tassen können einfach auf einem  Handtuch abtropfen, die restlichen Sachen sind schnell gepackt und so beginnen wir unseren Einsatz etwa 5 Minuten später.

Natürlich herrscht schon Feierabendverkehr und wir kommen nur langsam voran. Unser Einsatzort liegt mitten im Einsatzbereich der Hauptwache, es war nur kein anderer KTW frei.

Nach gefühlten drei Stunden, es waren aber doch nur 30 Minuten, geben wir Status 4 und melden uns eintreffend.

Daraufhin spricht uns die Leitstelle an.

„XX-83-6, übernehmen Sie erst Einsatz als First Responder! Einsatzort identisch auf den Namen YZ. Internistischer Notfall! XX-83-1 ist zu Ihnen unterwegs.“

Wir bestätigen unseren neuen Einsatz, holen EKG, Absaugung und die beiden Koffer aus dem Fahrzeug und gehen zum Eingang des Hochhauses. Die Namensliste an der Klingel ist lang und wir brauchen ein paar Sekunden bis wir den Namen finden.

An der Wohnungstür erwartet man uns bereits und lotst uns zur Patientin.

Als ich in das Schlafzimmer der älteren Dame komme kann ich keine Vitalzeichen feststellen. Auf die Frage, wann die Frau das letzte Mal gesprochen wurde sagt man uns, dass dies etwa 10 Minuten her sei.

Wir heben die Frau aus dem Bett, sie rutscht sanft zu Boden. Die Angehörigen schicken wir als Einweiser ins Treppenhaus und an die Straße.

Mit meinem Handy alarmiere ich über die Leitstelle den Notarzt.

Eifrig beginnen wir die Reanimation der Patientin. Die Tochter steht weiterhin bei uns im Raum und ich frage sie nach Vorerkrankungen, Medikamenten, nach allem was eine Anamnese ausmacht.

„Ne, also krank war sie eigentlich nie. Sie nimmt da so Tabletten gegen den Blutdruck und, ach wie heißt das noch, irgendwas mit A…“

„Asperin? ASS?“

gebe ich fragend einen Tipp, ich hatte die Packung ASS bereits auf dem Weg zum Schlafzimmer im Wohnzimmer gesehen.

Die Tochter bestätigt meinen Medikationsverdacht und steht wie angewurzelt in der Tür des kleinen Zimmers.

Erstaunlich gefasst beobachtet sie alle Maßnahmen, die wir durchführen, läßt sich auch nicht aus dem Schlafzimmer schicken.

Nach etwa 8 Minuten hören wir im Flur die Kollegen vom RTW.

Schnell mache ich eine Übergabe an die frische Besatzung.

„Initial Asystolie, nach Angaben der Angehörigen jetzt vor etwa 20 Minuten das letzte Mal mit ihr gesprochen, Blutdruckmedikante und ASS, wir reanimieren seit etwa 10 Minuten, Intubation und Zugang stehen, Medikamente sind aufgezogen…“

Zu viert wechseln wir uns immer wieder bei der Herzdruckmassage ab. Jede Minuten tauschen wir, damit möglichst effizient gedrückt werden kann.

Nach weiteren 4 Minuten trifft der Notarzt bei uns ein. Auch ihm übergebe ich die Patientin. Er intubiert, gibt ein paar Medikamente. Wir wechseln uns immer weiter beim Drücken ab.

Nach einer Viertelstunde stellt der Arzt die Reanimation ein. Wir räumen unser Schlachtfeld auf, dass wir fabriziert haben, der Notarzt erklärt den Angehörigen inzwischen, dass für die ältere Dame jede Hilfe zu spät kam.

Da wir unsere Koffer komplett blank gezogen haben bitten wir die Besatzung des XX-83-1 unseren eigentlich Einsatz „Oma krank“ zu übernehmen, schließlich stand der ja nun noch an.

Etwas widerwillig stimmen sie zu und gehen an die Haustür um bei XY zu klingeln. Zwei Minuten später stehen die Kollegen wieder bei uns im Schlafzimmer.

„Äh… also… das hier war Oma krank…“

erklärt uns einer der Beiden.

 

Auf dem Rückweg zur Wache überlegen wir, ob wir der Dame noch hätten helfen können, wenn wir nicht erst die Tassen gespült und unsere Sachen zusammengepackt hätten.

Ich glaube, diese Gedanken sind normal, aber sie sind halt nicht schön.

An der Rettungswache erklärt uns später der Notarzt, dass die Frau wahrscheinlich schon seit Stunden tot war. Sie hatte lediglich keine sicheren Todeszeichen, weil sie unter einer dicken Decke mit Heizdecke lag. Die Aussage der Angehörigen, dass sie noch vor wenigen Minuten mit der Dame gesprochen hatten konnte also nicht stimmen. Zeiten sind halt schwer zu schätzen.